Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 43/08 vom 22.10.2008

Nichts ist so traurig, wie wenn scharfe Posterboys zu abgehalfterten Durchschnittstypen werden, ich sage nur: David Duchovny. Früher war er als FBI-Agent Fox Mulder in "Akte X" der Unnahbare mit dem charmant-depressiven Blick, sehr schick. Heute sieht man in "Californication" deutlich, dass nicht nur der von ihm gespielte erfolglose Drehbuchautor Hank Moody an einer schweren Midlifecrisis leidet, sondern auch Duchovny selbst ein ziemlich verbrauchtes Exemplar Mann ist. Man kann das frühzeitiges, uncooles Altern nennen - einer Schauspielerin über 40, die so rüberkommt, würde man jedenfalls keine Serienhauptrollen geben. Aber bei Kerlen gelten andere Regeln, so räudig können sie gar nicht sein - siehe Kyle MacLachlan. Der Schauspielgott gab in David Lynchs "Twin Peaks" Dale Cooper, den lässigsten, schrägsten und attraktivsten FBI-Agenten ever. Diese Augen, diese Anzüge! Mittlerweile hat Gott einen dicken Hals (Alkohol? Kokain?), tote Augen und spielt den Gatten in "Desperate Housewives". Ein bitteres Schicksal.


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