Technik

Dinge, die uns brauchen

Medien | aus FALTER 43/08 vom 22.10.2008

Kein Spiel für Weicheier. Hier darf man auch mal zuschlagen

Prüfbericht: Thomas Vašek

Moralisch gesehen gibt es zwei Arten von Online-Rollenspielen - soziale und asoziale. Bei den einen geht es um Kooperation und Altruismus. Bei den anderen schlagen sich die Charaktere auch mal gegenseitig die Schädel ein. Zur ersten Kategorie gehört "World of Warcraft" ("WoW"), das bislang erfolgreichste "Massively Multiplayer Online Role-Playing Game". In dieser hochkomplexen Online-Welt interagieren hunderttausende Spieler miteinander. Als mythische Helden, Zauberer oder Elfen müssen sie Abenteuer bestehen. Dabei ist jedoch nicht blindes Dreinschlagen gefragt, sondern soziale Intelligenz: "WoW"-Spieler lernen, Vertrauen aufzubauen und Allianzen zu bilden. Man tut sich zusammen, um gemeinsam computergenerierte Bösewichte und Monster zu besiegen. Das ist pädagogisch wertvoll und jugendfrei (vom Suchtpotenzial abgesehen) - birgt aber auch die Gefahr der Langeweile. Mal ehrlich, will man immer nur nett sein und kooperieren? Und sei es mit der schönsten Baumelfin des Landes? Für Freunde des egoistischen Überlebenskampfes, rechtzeitig zum Darwin-Jahr, gibt es nun "Warhammer - The Age of Reckoning". Das Spiel präsentiert sich als Alternative zu "World of Wacraft": Die Welt ist ebenfalls komplex aufgebaut - doch hier gibt es auch Kampf. Mann gegen Mann, Spieler gegen Spieler. Asozial? Sicher - aber Spiele leben eben auch vom Konflikt. Die Botschaft der "Warhammer"-Entwickler ist klar: Weicheier sollen ruhig in "World of Warcraft" bleiben!

Thomas Vašek ist Chefredakteur des PM-Magazins und rezensiert für den Falter jede Woche Mediengadgets


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige