In Donaueschingen war die Eröffnung von Wien Modern schon zu hören

Feuilleton | aus FALTER 43/08 vom 22.10.2008

Spoiler Alert, so warnen Filmkritiker, bevor sie den Clou eines Thrillers verraten. Wer nicht vorab wissen will, wie's ausgeht, sollte dann nicht weiterlesen. Bei den Donaueschinger Musiktagen wurde am vergangenen Wochenende kein Spoiler Alert ausgegeben, obwohl gleich drei Projekte auf dem Programm standen, die demnächst bei Wien Modern zu hören sein werden.

Dror Feilers Zyklus "Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit" war in Donaueschingen sogar vollständig zu erleben, während in Wien lediglich ein Teil aufgeführt wird, die Komposition "Müll" (siehe S. 27). Feilers tolle Klang-Video-Installation "Ondinnonk", die Straßenmusiker aus aller Welt bei der Arbeit zeigt, beschallte leider nur das Schwarzwaldstädtchen.

Dafür kommt die Kollektivkomposition "The Dialogue Experiment" von Chaya Czernowin und sechs ihrer ehemaligen Studenten vollständig nach Wien. Sie liefert den Nachweis, dass Komponisten besser alleine komponieren sollten.

Auch das Eröffnungskonzert von Wien Modern war in Donaueschingen bereits zu hören. Pierre Boulez präsentierte sich mit dem SWR-Orchester in Hochform - als Dirigent. Ein neues eigenes Werk hat der 83-jährige Komponist nicht mehr im Programm, dafür seine kristallinen "Figures - Doubles - Prismes" von 1964. Und dazu Uraufführungen von Isabel Mundry, Fabián Panisello sowie das fetzige Orchesterstück "Altbau" von Enno Poppe, der gleich zum Publikumsliebling wurde. Bei Wien Modern ist Poppe eine Personale gewidmet. Das ist kein Spoiler Alert, sondern eine echte Empfehlung! cF

Wien Modern:

von 26.10. bis 16.11. Karten und Information: www.wienmodern.at oder Tel. 24 20 02


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