Am Ufer steht Bob Dylan und sieht der Zeit beim Vergehen zu

Feuilleton | aus FALTER 43/08 vom 22.10.2008

Plattenkritik: Klaus Nüchtern

The Tell-Tale Heart" heißt eine der bekanntesten Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe. Der Titelheld ist das Herz des Opfers, das in der Vorstellung des Täters nicht zu pochen aufhört und diesen zum Geständnis eines "perfekten" Mordes treibt.

Bob Dylans "Tell Tale Signs" lässt sich zu hysterischer Selbstentäußerung so wenig verwenden wie der Rest des Œuvres, aber das Herz vermeint man buchstäblich schlagen zu hören: gleich auf dem Eröffnungssong "Mississippi", den Dylan und sein Produzent Daniel Lanois während der Aufnahmen zum Album "Time Out of Mind" (1997) in dieser wunderbar intimen, von einem untergründigen Herzschlag durchpulsten Fassung eingespielt haben.

"Modern Times" hieß Dylans jüngstes, auch schon wieder vor zwei Jahren erschienenes Album, aber diese modernen Zeiten streifen gern das Gewand früherer Epochen über - eine Musik, deren geistergleiche Schönheit aus Zeiten herüberzuwehen scheint, als man noch gemeinsam vor dem Radiogerät


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