Austrian Shorts: drei Beispiele avancierter österreichischer Kurzfilme bei der Viennale

Feuilleton | aus FALTER 43/08 vom 22.10.2008

Das an der westlichen Peripherie von Wien gelegene Hadersdorf-Weidlingau ist unter Einheimischen als "Hawei" bekannt. Dort nahm vor 70 Jahren, am Tag des "Anschlusses", im Garten eines weitläufigen Landsitzes ein anonymer Filmamateur ein zehnminütiges Homemovie auf, dessen der junge Filmemacher Christoph Weihrich zufällig auf einem Flohmarkt habhaft wurde.

"14. März 1938 - Ein Nachmittag" nennt Weihrich sein Found-Footage-Stück, wobei das originale 16-mm-Material gesichert und Kader für Kader umkopiert, ansonsten aber unverändert blieb. Man sieht die Hakenkreuzfahnen am Haus, dann Menschen, die den Straßenrand säumen, als der "Führer" mit seiner Wagenkolonne vorüberdonnert, und danach: die Familie beim Jausnen im Garten, so als ob nix geschehen wäre. Die hübsche Tochter des Hauses flieht vor den Zudringlichkeiten des Filmenden. Die anwesenden Männer tragen ihre Hitlerbärtchen mit stolzgeschwellter Brust. Nur eine der feinen Kaffeetanten fällt aus der Rolle und zeigt der Kamera

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