Angewandte Kulturwissenschaft im Regen

Feuilleton | aus FALTER 43/08 vom 22.10.2008

Das Österreichische Museum für Volkskunde in der Laudongasse ist zum Opfer der Kulturpolitik geworden

Bericht: Matthias Dusini

Beeindruckt berichtet Margot Schindler am letzten Donnerstag von ihrem Besuch in Klagenfurt. Tausende Kerzen brannten für den verstorbenen Jörg Haider, an spontan eingerichteten Trauerorten weinten Menschen. "Eine Sonne fiel vom Himmel", las die Volkskundlerin auf einem Zettel. "Ich habe mir sofort gedacht, das muss jemand festhalten", sagt sie. "Das ist Lady-Di-Verehrung auf Kärntnerisch."

Aus der Dienstreise wurde eine Feldforschung über kollektive Trauer und Erinnerungskultur. "Hier materialisieren sich kulturelle Ausdrucksformen, die man sammeln und mit historischen Phänomenen in Verbindung setzen muss." Im 19. Jahrhundert standen die Menschen in langen Schlangen vor dem Pariser Morgue, wo anonyme Tote zur Identifizierung ausgestellt waren; daher kommt der Begriff Leichenschauhaus.

Schindler ist mit Leib und Seele Volkskundlerin, nein, europäische Ethnologin,


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