Phettbergs Predigtdienst

Gehirngewaschenes Kerzerlschlicken

Kolumne | aus FALTER 43/08 vom 22.10.2008

Hermes Phettberg führt seit 1992 durch das Kirchenjahr

De facto bin ich nun Sozialhilfeempfänger. Mit allen Möglichkeiten, die die Gesetzeslage meinem mich besachwaltenden Rechtsanwalt bietet. So nackt steh ich da. Niemals liiert. Wärme suchend. Weinend Wärme suchend.

Da lernte ich die herzlich liebe Doris kennen, die mich lehrte, schamanisch zu reisen. Sie tut das auch, natürlich Berge über mir! Doch ich brauche eine Funktion. Als ich Mitte August 2008 wegen meiner riesigen Bauchfalte operiert wurde und die Krankenhauskost im Spital der Barmherzigen Schwestern unbeschreiblich feinst mir schmeckte, da hatte ich die schamanisch-liebe Doris, die selbstverständliche Courage des Küchenchefs und den mich besachwaltenden Rechtsanwalt. Und nun krieg ich jeden Tag Krankenhauskost, und ich bin überglücklich. Jeden Tag um elf Uhr krieg ich traumhaftes Essen.

Vor Jahrzehnten kam ich auf die Idee, meine Eltern anzuwinseln, mich in eine Wiener Wohnung einzumieten. Ich kaufte mir also eine einzige Ausgabe der Tageszeitung namens Kurier, da stehen alle Inserate drinnen. Und ich begann, die vielen Inserate jenes Tages einzurahmen. Doch da ich der Stinkfaulste je bin, hab ich nur eine einzige Wohnung angekreuzt. Und in dieser Wohnung wohne ich seit 1982 drinnen.

Damals hatte ich keine Ahnung, dass das Krankenhaus ein paar Gehminuten neben mir sich befindet. Erst dann wurde es mir bewusst, als meine Hausärztin Antoniette Biach mich darauf hinwies, dass es dort sogar eine plastische Chirurgie gebe. Ich ging oft zur Hausärztin, sehr oft, damit ich nur ja in Bewegung bleibe. Wenn du einmal süchtig bist, dann musst du immer daran arbeiten, nicht zurückzufallen. Ich habe gefressen. Ich passe jetzt höllisch auf, mich ja nie wieder hochzufressen. Jetzt habe ich als Erinnerung eine riesige Bauchfalte, und es ist absolut hart, so eine riesige Bauchfalte vor sich herzutragen. Dann kam der Tag, an dem ich das Krankenhaus zitternd betrat. Und alles Weitere wissen Sie, Duhsub. Natürlich gibt es in einem katholischen Krankenhaus auch eine Kapelle. Sie ist klein, in sie hab ich mich verschossen. Und ich geh nun jeden Samstag um 15.30 Uhr zur Vorabendmesse. Und weine dort. Sie wissen, Duhsub, warum ich weine.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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