Theater

Und täglich zankt das Murmeltier

Kritik

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 43/08 vom 22.10.2008

Ikea-Katalog als Bühne: "Virginia Woolf"

Als Ersatz für die entfallene "Faust"-Inszenierung wird im Burgtheater Edward Albees moderner Klassiker "Wer hat Angst vor Virginia Woolf …?" gespielt. Das ist zwar das bessere Stück, macht aber trotzdem nicht recht glücklich. "Virginia Woolf" war erst voriges Jahr im Volkstheater zu sehen, und auch die Besetzung ist mäßig originell: Nach "Viel Lärm um nichts" und "Der Gott des Gemetzels" stehen Joachim Meyerhoff und Christiane von Poelnitz jetzt zum bereits dritten Mal innerhalb von nicht einmal zwei Jahren als streitendes Paar auf der Bühne des Burgtheaters. Sie spielen die Zankvirtuosen George und Martha, die einander vor Publikum (ein jüngeres Paar ist zu Gast) ein spätnächtliches Match liefern. In einem Bühnenbild (Stéphane Laimé), das wie ein dreidimensionaler Ikea-Katalog aussieht, versucht Regisseur Jan Bosse eine seltsame Mischung aus Künstlichkeit (Perücken und andere kosmetische Prothesen, drastischer Aktionismus) und Nähe (Meyerhoff spielt mehr im Zuschauerraum als auf der Bühne). Die Gags der Inszenierung sind zum Teil zwar witzig (besonders die Tanzeinlage der Burg-Debütantin Katharina Lorenz im zweiten Teil), insgesamt aber kontraproduktiv: Für Witzfiguren wie diese mag man sich keine drei Stunden lang interessieren.

Nächste Vorstellungen: Burgtheater, Fr, Sa 19.00; Di 19.30


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