Kunst

Albertina: weitere Hallen, wenig Neues

Kritik

Lexikon | aus FALTER 43/08 vom 22.10.2008

Die neuen Säle der Albertina Franz West, 1966/67

Immer, wenn man glaubt, die Albertina kann unmöglich weiter expandieren, eröffnet Klaus Albrecht Schröder wieder einen neuen Trakt. Mit den "Jeanne & Donald Kahn Galleries for Contemporary Art" entstanden jetzt 16 neue Säle zu rund 2000 Quadratmetern Fläche, wo sich früher Büros, Depots und Wohnungen befanden. Die Baukosten von 5,2 Millionen Euro wurden zum Großteil von Sponsoren aufgebracht, nur zwei Millionen zahlte die öffentliche Hand. Die gestiegenen Betriebskosten werden das Museumsbudget aber zweifellos belasten. Um alle ihre Hallen zu nutzen, braucht die Albertina nun regelmäßig drei große Ausstellungen und eine kleinere. Für die Zukunft sind Personalen von Gerhard Richter und Jörg Immendorff geplant.

Die Einweihungsschau "Nach 1970" präsentiert ausschließlich österreichische Kunst aus der Sammlung der Albertina. Schröder verfolgt auch hier sein Konzept, Grafik mit Malerei zu verbinden; Fotografie oder Video ist nicht zu sehen. Die Ausstellung, die mit den Malern der Gruppe nächst St. Stephan einsetzt, offenbart sich als konservativ und bloße Aneinanderreihung. Freilich kann man Schröder die Sammlungsversäumnisse der Vergangenheit nicht vorwerfen. Aber da die Schau doch wie eine Überblicksausstellung daherkommt, sind Lücken wie Valie Export oder Heimo Zobernig unverzeihlich. Angesichts des großen Booms, den das Medium Zeichnung in den letzten Jahren erlebt hat, schmerzt auch die bescheidene Auswahl an jüngerer Kunst. Zumindest die frischere Auswahl an Arbeiten von Sonja Gangl, Ulrike Lienbacher oder Peter Hauenschild/Georg Ritter bleibt dem Bleistift treu. NS

Albertina, bis 11.1.


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