Kunst

Ideologisches Blendwerk und Kriegsgerät

Kritik

Lexikon | aus FALTER 43/08 vom 22.10.2008

Klaus Auderer "A Taxi to Bagdad" "Ground Zero Bagdad"

Nichts als Spuren der Verwüstung, überall Trümmer, Schutt und Asche: So präsentiert sich in der Fotoserie "Klaus Ohad Said Auderer, Ground Zero Bagdad" der Palast von Sadam Hussein. Der Künstler Klaus Auderer befand sich zu Beginn des US-Angriffs 2003 im Nahen Osten und ergriff die Chance, diese zerbombte Stätte der Macht zu fotografieren. In seiner Ausstellung "a life behind mirrors" geht es Auderer aber weniger um Dokumentation als um eine medien- und ideologiekritische Aufarbeitung dessen, wovon er Zeuge wurde. Dafür bedient sich der 1968 geborene Künstler einer trashigen Ästhetik, verwendet Kriegsspielzeug und Schaufensterpuppen und malt in einem grimmigen Gothic Style.

Eine gefesselte Figur sitzt für die Videoinstallation "A Taxi to Bagdad" am Boden und trägt anstelle ihres Kopfes einen Beamer. In der Projektion sind Flüchtlings- und Gefangenenlager zu sehen, die Auderer auf einer Fahrt von Tel Aviv in den Irak gefilmt hat. Die Symbole, unter denen die letzten Kriege geführt wurden - Halbmond, Judenstern oder Dollar - bringt Auderer wie archaische Zeichen in tropfendem Schwarz auf die Leinwand. Ein palästinensischer Tschador steht für die trauernden Frauen. Dazu erklingt in der Schau die Songzeile "It's all because of you" aus einem Lied von Sonic Youth in penetranter Wiederholung. In der Videoperformance "Colonial backflash ANGST" schließlich tritt Auderer selbst als Fernsehprediger auf, der den Dollar beschwört. Eine allzu dichte, aber sehr engagierte Schau, die in der Materialfülle doch nie ihren Impetus vergisst, hinter die Spiegelungen blicken zu wollen. NS

Galerie Dana Charkasi, bis 31.10.


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