Am Apparat

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 44/08 vom 29.10.2008

Herr Bencza, wird Schwechat zum Eldorado für Voyeure?

Schiphol in Amsterdam testet ihn bereits, die EU-Kommission will ihn europaweit zulassen: den sogenannten Ganzkörperscanner, der die Personenkontrolle vor dem Einchecken schneller, lückenloser, allerdings auch intimer machen soll. Das Gerät zieht einen nämlich sprichwörtlich aus - bis auf die Unterhose. Bald auch in Wien-Schwechat?

Herr Peter Bencza, Sie sind im Innenministerium für die Flugsicherheit verantwortlich. Werden wir bald bis auf die Genitalien durchleuchtet?

Warten wir einmal ab. Die Medien nennen das Gerät "Nacktscanner", das ist schon einmal ein Problem. Der richtige Terminus lautet Body-Scanner oder Körperscanner. Das EU-Parlament hat schon Bedenken angemeldet. Wir werden sicher nicht die Vorreiter sein. Aber getestet haben wir die Dinger schon.

Wirklich?

Ja, vor zwei Jahren, an Freiwilligen. Das war internes Personal. Die Kosten-Nutzen-Rechnung ist schwierig. Das Gerät ist sehr teuer, es kostet zwischen 250.000 und 400.000 Euro, und der Einsatz ethisch umstritten.

Das ist ganz schön teuer. Wie häufig kommt es vor, dass jemand ein Porzellanmesser an Bord schmuggeln will?

Es gibt keine Statistiken über sogenannte "cold weapons".

Was empfehlen Sie Passagieren, denen das Scannen unangenehm ist? Kann ich mich in Alufolie einwickeln?

Es ist noch viel zu verfrüht, solche Tipps zu geben. Wer weiß, ob das Gerät überhaupt kommt?

Rechnen Sie mit einem Ansturm auf den Job des Sicherheitskontrolleurs? Immerhin gibt es Nackte umsonst zu sehen.

Sollte das Gerät zum Einsatz kommen, muss es oberstes Gebot sein, dass die Screeneroperatoren nicht das Bild, das sie am Monitor sehen, mit einer Realperson in Verbindung bringen können. Es kann nicht sein, dass Menschen am Bildschirm ausgezogen werden. Voyeure muss man absolut ausschließen können.

Interview: Ingrid Brodnig


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