Immer an der Kippe

Politik | aus FALTER 44/08 vom 29.10.2008

Im Haus Miriam leben Frauen, deren Existenz aus den Fugen geraten ist. Seit 20 Jahren

Reportage: Sibylle Hamann

Miriam war eine Prophetin. "Sie nahm ein Tamburin in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr tanzend", heißt es im Alten Testament. Sie war vorn mit dabei, als das jüdische Volk das Joch der Knechtschaft in Ägypten abschüttelte und sich auf den Weg ins gelobte Land machte.

Inzwischen ist Miriam im 18. Wiener Gemeindebezirk angekommen, gleich gegenüber vom Café Schopenhauer. Es ist die schmuddelige Ecke des Achtzehnten, zwei Häuser weiter rauscht der Gürtel vorbei, nachts stehen dort Frauen in hochhackigen Stiefeln am Straßenrand.

Doch wer das Haus Miriam betritt, ist sicher. Es ist ein großzügiges Gründerzeithaus mit verspielten Erkern. Offiziell heißt es "Übergangswohnhaus für Frauen in psychischen und sozialen Krisen". 38 Frauen wohnen hier in drei WGs; im Kellergewölbe ist die Kapelle, im Erdgeschoß die Großküche, unterm Dach der Bastelraum. Eine unbestechliche


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