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Bücher, entstaubt

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 44/08 vom 29.10.2008

Als wir Wiener richtig arm waren

Vergangene Woche stellte die OECD ihren Armutsbericht vor. In Österreich war er kaum Thema. Denn Armut ist kein Massenphänomen mehr. Armut bedeutet heute höchstens, mit ein paar hundert Euro durchkommen zu müssen. Nur die wenigsten landen noch obdachlos auf der Straße - dem Sozialstaat sei's gedankt. Warum er so wichtig ist, und wie es ohne ihn aussah, das kann man in einem 1997 von Brigitte Fuchs herausgegebenen Band nachlesen. "Reisen im fremden Alltag" nennt sich die hervorragende Sammlung österreichischer Sozialreportagen aus den Jahren 1870 bis 1918. Die großen Gesellschaftskritiker Max Winter, Viktor Adler, Ferdinand Hanusch und Kitty Sweetman erkundeten damals das Wien der Ziegelarbeiter, Kinderausbeuter, Straßenhändler und Lehrlinge. Ihre Reportagen (vor allem in der Arbeiterzeitung) waren es, die das Rote Wien und seine damals nahezu utopisch klingenden Sozialreformen publizistisch einleiteten.

Brigitte Fuchs: Reisen im fremden Alltag. Sozialreportagen aus Österreich. 1870-1918, Promedia, 224 S., € 17,90


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