Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 44/08 vom 29.10.2008

Mieses Fernsehen ist nichts Neues. Aber wenn jetzt Thomas Gottschalk und Marcel Reich-Ranicki über miese Qualität im TV diskutieren, ist das, wie wenn zwei FPÖler über die Menschenrechtskonvention für Aslywerber philosophieren. Der unreflektierte "Wetten, dass ...?"-Quatschkopf Gottschalk macht seit Jahren selbstherrliche, fade Shows, der streitlustige Greis Reich-Ranicki hat das TV selbst gerne dazu benutzt, um der "Literaturpapst" für die Massen zu werden.

Doch seitdem Reich-Ranicki vor zwei Wochen den Deutschen Fernsehpreis live on air zurückwies und gegenüber Gastgeber Gottschalk über den "Blödsinn" im ZDF schimpfte, spielt sich das ungleiche Doppel als Retter des Qualitätsfernsehens auf. Dafür bleiben nun die wirklich guten Leute auf der Strecke. Wie Elke Heidenreich, die geistreiche Gastgeberin des ZDF-Literaturmagazins "Lesen!". Heidenreich hatte Ranicki zugestimmt und ihren Sender kritisiert - jetzt verlor sie deshalb die Sendung. Dabei beschrieb sie Gottschalk doch so treffend: "Ein müder, alter Mann."


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