Schlappschwanz: Feydeau in der Josefstadt

Kritik

Lexikon | Martin Lhotzky | aus FALTER 44/08 vom 29.10.2008

Lautstark-hysterisch: "Floh im Ohr"

Obacht! In der Josefstadt knallen wieder die Türen. Schuld daran trägt Georges Feydeau, der Stücke dieses Genres bis zu seinem Tod (Syphilisfolgen, 1921) beinahe wie am Fließband produzierte. Wenn überhaupt, wird heute gerade noch der "Floh im Ohr" (1907) gespielt. Der hüpft jetzt auch im Theater in der Josefstadt in der Regie von Hans-Ulrich Becker ziemlich lautstark-hysterisch über die Bühne.

Witzchen vom Typus Sprachfehler, eifersüchtige Spanier und Dekolletés bis zum Nabel werden da von einem bunt zusammengewürfelten Ensemble flott heruntergesprudelt. Die deutsche Textfassung stammt von Elfriede Jelinek. Erwartungsgemäß oft, wenn auch für den Spielort gewöhnungsbedürftig, ist das Wort "Arschloch" (beziehungsweise "A-o!" - Sprachfehler, keine Konsonanten!) zu hören. Höhepunkt des Stückes ist Poche, Portier im Puff und Doppelgänger des biederen, temporär impotenten und darob außerehelicher sexueller Betätigung verdächtigen Direktors Chandebise (beide: André Pohl). Höhepunkt des Premierenabends war eine klemmende Drehtür im rosa Bordellzimmer des zweiten Aktes. Wer Verwechslungskomödien von Benny-Hill-Niveau mag, wird hier gut bedient.

Nächste Vorstellung: Theater in der Josefstadt, So 15.00


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