Am Apparat

Warum flog Außenministerin Plassnik persönlich nach Mali?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 45/08 vom 05.11.2008

Vom 18. Februar bis zum 31. Oktober dauerte die Entführung der beiden Sahara-Touristen Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner. Am Samstag wurden sie im Palast des malischen Präsidenten Amadou Toumani Toure dem prominenten österreichischen Empfangskomitee übergeben: Außenministerin Ursula Plassnik (ÖVP) höchstpersönlich hatte sich in der Nacht von Freitag auf Samstag in eine gechartete Falcon 900 nach Bamako gesetzt.

Herr Johannes Kyrle, als Generalsekretär des Außenamtes leiteten Sie den Krisenstab zur Geiselbefreiung. Warum flog eigentlich Außenministerin Plassnik nach Bamako?

Die Ministerin war am 31. Mai schon dort und hat sich beim Präsidenten für die beiden eingesetzt. Es gibt ausgezeichnete Kontakte auch zu seinem Amtkollegen. Es war daher ganz natürlich, dass die Übergabe im Rahmen eines Staatsaktes gemacht worden ist und man sich bedankt hat. Sie hat ihn auch nach Österreich eingeladen.

Na ja, man könnte auch sagen: eine gute Werbeaktion für die Außenministerin.

Es gibt auch in der Vergangenheit viele Beispiele dafür, dass sich öffentliche Persönlichkeiten vor Ort begeben. Das war eine sehr natürliche Angelegenheit.

Wenn ein Minister an Bord ist, gelten dann andere Regeln im Flugverkehr?

Nicht dass ich wüsste.

In der Falcon haben 19 Passagiere Platz, wer war noch aller an Bord?

Die Maschine war vom Krisenstab dazu ausersehen, die beiden abzuholen. Wir hatten medizinische und psychologische Betreuung an Bord sowie Experten des Innen- und Verteidigungsministeriums. Sie wäre in jedem Fall geflogen. Durch die Mitreise der Ministerin entstanden keine Kosten.

Ist es pietätlos, über die Kosten zu sprechen?

Das ist ein Konsularfall. Wir sind dazu verpflichtet, Österreichern in Not zu helfen, egal ob sie jung, alt, groß, klein, arm oder reich sind.

Interview: Barbara Tóth


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