„Und wo bleibt jetzt die Freiheit?“

Politik | aus FALTER 45/08 vom 05.11.2008

Der Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann über Gier, Banker und die Wiederentdeckung von Staat und Moral

Gespräch: Christine Zeiner

Wie wichtig ist Gier für eine gesunde Wirtschaft? Hat sie die Krise wirklich befeuert? Wer hat moralisch versagt? Ulrich Thielemann, Vizedirektor des Instituts für Wirtschaftsethik an der Uni St. Gallen, hat über Markt, Moral, Fleiß und Gier geforscht. Ein Gespräch.

Falter: Der Finanzbranche fehlt es an Moral. Ist die Krise eine Frage der Moral?

Ulrich Thielemann: Ja und Nein. Ja, weil die Banker und auch die Investoren schon seit einiger Zeit extrem gierig sind. In den Unternehmen wurde die Gier der Angestellten durch Bonussysteme häufig erst entfacht. Es wurden jedes Mal satte Prämien dafür eingestrichen, wenn vollkommen überbewertete Papiere gekauft oder verkauft wurden. Es war eine Art Deal zwischen Management, managementnaher Mitarbeitern und Kapital: „Wir erwirtschaften Milliarden für euch, mit welchen Deals auch immer, und davon gebt ihr uns


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