Mediaforschung

Warum gefällt uns Sumsi, die Sparbiene, heute mehr denn je?

Nachfragekolumne

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 45/08 vom 05.11.2008

Mit Sumsi, der emsigen, schwarz-gelben Biene, begannen in den 70er-Jahren die Sparerbiografien. Es war damals nicht viel besser als heute. Ölkrise, Rezessionsangst, Hamstermentalität. Eine Generation später ist sie wieder da, und diesmal nicht nur für Kinder, sondern auch für die inzwischen erwachsen gewordenen Sparschweinanbeter von einst.

Wie sich die Zeiten ändern: Bis vor kurzem umwarben Banken ihre Kunden noch mit schnittigen Wörtchen aus der New Economy wie „Privatvorsorge“ und „Fremdwährungskredit“. Inzwischen sehnt man sich nach sicheren Anlagen, und da kommt die Biene zum Sparbuch gerade richtig. Nicht nur zum Weltspartag, bei dem sie ihren Großeinsatz hat.

Dabei ist Sumsi keine österreichische Erfindung, sondern wurde vor 35 Jahren aus Deutschland importiert. Die Rechte an der vom 1972 verstorbenen schwäbischen Grafiker Egon Kingerter erfundenen Figur hält bis heute die Stuttgarter Kommunikationsfirma AMI. Von ihr kaufte sie 1973 der österreichische Agrarverlag, der neben einschlägigen Publikationen wie dem Jungbauernkalender, der Bauernzeitung und dem Jagdmagazin St. Hubertus auch für die Raiffeisenbanken das Marketing abwickelt.

Sumsi wird laufend geliftet. Anfangs war sie nur eindimensional und hatte wenig Haare, inzwischen verfügt sie, beinahe wie Barbie, über zwölf „Grundausstattungen“, etwa als Bergsteigerin oder Seglerin. Derzeit im Sumsi-Marketingsortiment finden sich Zuckerln, Sumsi-Sparscheine und, nicht zu vergessen, das Ganzkörper-Sumsi-Kostüm für Erwachsene. Am Weltspartag konnte es Passanten auf der Wiener Rotenturmstraße passieren, dass ihnen von einer schlecht rasierten, mannshohen Sumsi ein Werbefolder zur Eröffnung eines Sparbuchs in die Hand gedrückt wurde.


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