Nüchtern betrachtet

Es muss nicht immer super sein, okay ist eh okay

Feuilleton | aus FALTER 45/08 vom 05.11.2008

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Dass man anderen schnell einmal eine tiefere Genussfähigkeit zuschreibt und sie dann darum beneidet, hat – so weiß der Psychoanalytiker – ziemlich viel Unheil über die Menschheit gebracht. Insofern trägt es vielleicht zum Weltfrieden bei, wenn man Reserviertheit artikuliert: „Oooch, sooo toll fand ich’s nun auch wieder nicht.“ Jemandem, der eh schon wenig Spaß hat, haut man nicht auch noch auf den Kopf. Andererseits: Angesichts der Hedonismus- und Wohlfühldispositive, die uns heute ständig Gutgelauntheit abverlangen, kann gerade Begeisterungsenthaltsamkeit die Aggressivität befördern: „Hab doch endlich Spaß, du Sau!“

Spaßhaben ist aber oft kompliziert, und einfacher wird’s mit zunehmendem Alter auch nicht. Die Drehbuchautorin und Regisseurin Nora Ephron, die zum Beispiel „Sleepless in Seattle“ gemacht hat und eine Zeitlang mit dem Journalisten Carl Bernstein verheiratet


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