Stadtrand

Platz da: Wir sind schon kurz vor Hütteldorf

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 45/08 vom 05.11.2008

Jetzt gerade ist die Stadt am schönsten. So leer wie Anfang November ist Wiens öffentlicher Raum sonst nie im Jahr. Die Schanigärten sind weg, Einkaufsstraßen, der Rathaus- und andere Plätze noch nicht mit Christkindlmarktmöbeln und Punschtränken vollgestellt. Wo nicht gerade das Fußgängerzonenpflaster aufgerissen wird, hat der Flaneur genug Raum, sich zu entfalten. Historische Plätze wie der Am Hof oder die Freyung zeigen sich in ihrer ganzen Pracht. Oder, um es profaner auszudrücken: Man kommt durch. Stadtluft macht frei.

Leider ist der Freiraum nur von kurzer Dauer, wir sind schon wieder kurz vor Hütteldorf. Als gäbe es nicht genug Gaststätten oder leere Geschäfte, räumt man die Stadt mit Verkaufsständen und temporären Schänken zu, beschwört schon Wochen vor dem Fest den Geist von Weihnachten mit dubiosen Konsumangeboten und heißem Alkohol. Oder, um es profaner auszudrücken: Man soll kaufen und saufen. Platz da! Genießen Sie die Stadt, solange sie noch weitgehend weihnachtsfrei ist.

Christopher Wurmdobler freut sich ganz und gar nicht auf die Weihnachtsmärkte


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