Als Wien noch eine echte Metropole war

Stadtleben | aus FALTER 45/08 vom 05.11.2008

Warum die „Jiddischkeit“ der Stadt in der Zwischenkriegszeit so lange nicht thematisiert wurde

Recherche: Barbara Tóth

Im September 1931 hatte das Prager Tagblatt das, was man einen journalistischen „Scoop“ nennt. Es deckte auf, dass in der jüdischen Hochschulmensa Wiens bis zum Jahr 1928 eine gewisse Angela Raubal das Regiment geführt hatte. Die Dame galt als verlässliche Köchin, die einen ordentlichen, koscheren Mittagstisch für jene jüdischen Studenten lieferte, die vor antisemitischen Pöbeleien in den Speisesaal am Zimmermannplatz flüchteten. Manchen von ihnen wird im Nachhinein wohl unwohl geworden sein, als sie lesen mussten, wer ihre Mensaoberköchin war: die Schwester Adolf Hitlers.

Die spätere Haushälterin ihres Bruders am Obersalzberg als koschere Köchin für jüdische Studenten? Nur ein Beispiel von vielen, das zeigt, wie vielschichtig das jüdische Leben in Wien in der sogenannten „Zwischenkriegszeit“ war.

Es ist bezeichnend, dass die österreichische Geschichtsschreibung


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