Phettbergs Predigtdienst

Der Analphabet wurde von „März“ geheilt

Kolumnen | aus FALTER 45/08 vom 05.11.2008

Hermes Phettberg führt seit 1992 durch das Kirchenjahr

Der spannendste Moment der Weiterentwicklung der Kulturtechniken dürfte gewesen sein, als die Milch ein ganzes Jahr lang aus dem Euter rann. Das ist was heutzutage ganz Selbstverständliches. Doch es war beinharte Arbeit, als den ersten Siedlys die Milchleitung der Kuh immer rann. Da tanzten sie, denk ich mir. Und jetzt gibt es in Supermärkten das ganze Jahr Himbeeren aus irgendeinem Erdteil, aus China oder so. Und es ballt sich die ganze Menschheit zusammen, ununterbrochen ist ein Riesenzirkus überall.

Nur ich liebe das Schlafen. Um 19.50 Uhr gehe ich zu Bett und steh nach sieben Stunden wieder auf. Und da ist nie wer in meiner Wohnung außer mir. Ein Leben lang. Ich habe mir den Kinofilm „März“ angeschaut. Klaus Händl hat Jahre daran gearbeitet, und es entstand ein Film, wo angeblich vier Typen sich umbrachten. Eine Mutter ist zornig, denn sie muss jetzt allein weiterleben. Mit der Kulturtechnik des Kinofilms gibt es diese Möglichkeit, Niedergeschlagenheit nur durch das müde Lächeln einer Mutter auszudrücken. Der Film spielt in Tirol, aber es ist egal wo, denn wenn du genau analysierst, ist das Leben JEDES MENSCHEN ein winziges Dasein mit einem winzigem Lächeln.

Und dann wird meistens eine dritte Person gezeugt, die ein Leben lang sich plagen muss. Phettberg aber sehnt sich so sehr, dass er auch einmal in die Nähe eines Geschlechtsverkehrs käme. Er könnte dann zwar nichts zeugen. Denn es ist unmöglich, dass zwei Männer einen dritten Mann zeugen. Es ist noch nicht erforscht, wie dies ginge. Also ist so vieles an Kulturtechniken noch ausständig. Doch versaute Jeans am Körper eines Typen – und schon rinnt Testosteron. Im Falle Phettbergens halt.

Hart ist, dass es Kulturtechnik nun ist, dass du gut eineinhalb Stunden ruhig sitzen musst, um dir das Produkt eines Kinofilms anzuschauen. Ja, es ist möglich, dass du den Saal verließest, aber es ist angenehm und beheizt. Phettberg würde aber lieber schlafen, doch es wäre ungehörig. Also musst du brav stillhalten. Es ist unglaublich lieblos, des herzlichen Menschen ersten Kinofilm hier so dastehen zu lassen. Aber es war der erste Kinofilm dieses Jahres, der Phettberg unter die Augen kam. Sonst schläft er das ganze Jahr.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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