Ein Meister tritt aus Picassos Schatten

Nicole Scheyerer | Lexikon | aus FALTER 46/08 vom 12.11.2008

Georges Braque erstmals in einer Retrospektive in Wien

Vielen gilt er mehr als „ami“ von Pablo Picasso denn als großer Avantgardist: Das Werk von Georges Braque war in Österreich noch nie in einer Retrospektive zu sehen; in den letzten Jahrzehnten herrschte generell wenig Interesse an dem 1963 verstorbenen Franzosen. Der stille Braque stand stets im Schatten des extrovertierten Picasso. Das Bank Austria Kunstforum bringt nun Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers nach Wien .

Als Assistent im Malergeschäft seines Vaters lernte Georges die Dekorationsmalerei, die er später noch für seine eigene künstlerische Arbeit nutzen sollte. Nach seinem Kunststudium wurde der junge Künstler besonders von einer Ausstellung der „Fauves“ 1905 geprägt, deren farbintensive Expressivität er umgehend übernahm. Nur wenige Jahre später entwickelte Braque jedoch seinen eigenen Stil.

„Kubische Bizarrerien“, meinte ein Kritiker 1908 abfällig zu Braques geometrisch zerstückelten Musikinstrumenten in Erdtönen. Ein neuer „-ismus“ war geboren: In enger Zusammenarbeit mit Picasso brachte Braque den Kubismus hervor, dessen Kraft in der Formzertrümmerung und in der gleichzeitigen Darstellung unterschiedlicher Blickwinkel liegt. Mit dieser neuen Facettenmalerei vollzog sich die revolutionäre Abwendung von der naturalistischen Nachahmung.

Einen Schritt weiter führte die Erfindung des „Papier collé“, der Collagetechnik, für die Braque Fragmente von Zeitungen, Etiketten oder Tapeten zusammenklebte. Damit fand der Künstler auch zur Farbe zurück. Der Erste Weltkrieg setzte dieser kreativen Phase 1914 ein Ende, als Braque einrücken musste und verwundet wurde. Nach dem Krieg komponierte Braque großflächige Stillleben mit dynamischer Oberfläche. Der bestückte „guéridon“, ein runder Tisch, und sein Atelier wurden zu wichtigen Motiven von Braques Spätwerk .

Bank Austria Kunstforum bis 1. März 2009

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