Kritik

Man soll das Tag nicht vor dem Abend loben

Lexikon | Christopher Wurmdobler, Wolfgang Kralicek | aus FALTER 46/08 vom 12.11.2008

Eine 45-jährige Putzfrau, die sich im Internet als Britney-Spears-Klon ausgibt und virtuell eine Art Popwunder durchmacht? Womöglich ist das die Handlung des Musicals „Wisching Well“ von Margit Mezgolich, das zu Saisonbeginn im Theater an der Gumpendorfer Straße (Tag) uraufgeführt wurde. Und fürchterlich in die Hosen ging. Das Tag hat sich für die aktuelle Spielzeit vorgenommen, Strukturen aufzulösen und mehr „eigene“ Stücke zu bringen. Musical ist jedenfalls ein schlechtes Genre für das kleine Haus, selbst wenn man sich die Vorsilbe „Trash“ dazudenkt. Ein Miniensemble und eine 3-Mann-Band hangeln sich von Song zu Song, statt versprochener „Ohrwürmer“ gibt’s Unbekanntes aus dem Castingshow-Repertoire – ähnlich spannend dargeboten. Jaja, es hätte lustig sein sollen. Aber vielleicht haben wir ja nicht nur die Handlung nicht kapiert, sondern auch den Satirewillen der Theatermacher als zweites Standbein im Second Life.

Auch in der zweiten Saisonpremiere wird der Versuch unternommen, ein aktuelles Thema in ein dafür eigentlich nicht vorgesehenes Format zu verpacken. „Better Wetter“ von Dana Csapo und Isabelle Uhl ist ein Stück über die Auswirkungen des Klimawandels auf einen fiktiven Wintersportort – geschrieben und gespielt im Stil eines Bauernschwanks. Auf 1100 Meter Seehöhe ist es so warm, dass mit Schnee nicht mehr zu rechnen ist. „I hob bimmel bammel bim in meim Herzen drin, wie soll’s nur weitergehen?“, singt Hotelier Toni verzweifelt, auch markige Sprüche („Bischt a Tiroler, oder bischt a Oaschloch?“), Zitherspiel und Jodler werden geboten. Der Plot ist hanebüchen, die Dialoge platt, das Spiel hölzern. Natürlich ist das Absicht. Das Problem ist nur, dass es das nicht wirklich leichtermacht. Den Schnaps, der am Beginn der Aufführung angeboten wird, sollte man jedenfalls unbedingt annehmen.

Nächste Vorstellungen: „Better Wetter“, Di, Mi, Do 20.00; „Wisching Well“, 26., 28., 29.11., 20.00


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