Kritik

Werkstatt der Ängste: Miki Malör im Kosmos

Performance

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 46/08 vom 12.11.2008

„Tigerbalsam“ mit Miki Malör

Wie auch immer unsere Erwartungen an eine Performance mit dem Titel „Tigerbalsam“ aussehen, Miki Malör schafft sie alle – neu. Auf der Bühne des Kosmos Theaters herrscht geordnetes Werkstattchaos: In der Mitte steht eine perspektivisch aufgebaute Box, ein kleiner Versuchsraum über das Begehren und seine Begleiterscheinungen, die Ängste. Von den Werkstattgehilfinnen und -gehilfen werden die wandelbare Box und ihre Bewohnerin ausgestattet und gefüttert; mittels Ton und Licht werden schwere Geschütze in Richtung Erinnerungen und Gefühle in Stellung gebracht. Ein Geräuschemeister und bekannte Filmmelodien sind am Werk. Zu einer der schwülstigsten Ennio-Morricone-Kompositionen aus „Es war einmal in Amerika“ etwa werden Horden von Matchbox-Autos aus der Tiefe der Box in den Bühnenraum hinauskatapultiert. Wie einst Beuys an seinen toten Hasen kuschelt sich Malör am Ende an einen stummen Betrachter, einen ausgestopften Wasservogel. Hier entstehen Bilder, die am Unterbewusstsein kratzen, die Sinne kitzeln und ein leises Lächeln auf die Fassaden der Anwesenden zaubern.

Letzte Vorstellungen: Kosmos Theater, Fr, Sa 20.30


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