Neu im Kino

The Accidental Husband

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 46/08 vom 12.11.2008

Vorher, nachher: Uma Thurman

Wer von der Liebe predigt, sollte von der Heirat sprechen. Aber nur dann, wenn er oder sie selbst einschlägige Vorkenntnisse in die Diskussion einbringen kann. Nicht so wie Uma Thurman als Moderatorin einer populären Radiosendung, die in Vorfreude auf die eigene Hochzeit jeden Abend halb New York erklärt, worauf man bei Liebesdingen Acht geben sollte, und einer jungen Anruferin den Ratschlag erteilt, vorsichtshalber keinen Feuerwehrmann (Jeffrey Dean Morgan) zu heiraten. Denn dann kann es passieren, dass der Verlassene zu seinem indischen Computerfreund geht und diesen bittet, das amtliche Heiratsregister zu manipulieren. Worauf Frau Thurman plötzlich offiziell mit dem Firefighter verheiratet ist und sich die Hochzeit mit ihrem Verleger (Colin Firth) in die Haare schmieren kann. So kommt die Karrieristin zum Mann wie die Jungfrau zum Kind.

Dass die Romantic Comedy seit einem halben Jahrhundert ihren Erzählungen zum Trotz ein überwiegend trauriges Dasein fristet, daran sind Filme wie „The Accidental Husband“ (Regie: Griffin Dunne) schuld. Nicht weil die spießige Bestsellerautorin an den leichtlebigen Charmebolzen gerät und den angeblich wahren Wert der Liebe erkennt – der Kampf der Geschlechter war sogar mitunter für Cukor und Hawks ein glattes Parkett. Sondern weil dem Genre seit mehreren Jahren das so wichtige Gespür für Tempo, für die Effizienz der Bewegungen, für Wortwitz und vor allem weibliche Stars abhanden gekommen ist. Es ist nicht schlimm, sich in Zeiten der Selbstfindung nach wie vor domestizieren zu lassen, aber man muss wie Katharine Hepburn in der Nacht vor der Hochzeit zumindest einen Golfschläger übers Knie brechen.

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige