Kommentar

Kunst nach dem Bankencrash: Sponsoren, ade! Subvention, olé!

Kulturpolitik


Matthias Dusini
Falter & Meinung | aus FALTER 46/08 vom 12.11.2008

Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) bewies einen guten Riecher, als sie 2007 den Vorstand der Kommunalkredit verließ, um ins Kabinett Gusenbauer zu wechseln. Nach der Verstaatlichung der Bank wurde das Management gefeuert.

Im Zuge der Krise der Finanzinstitute geraten nun auch deren Sponsoringprojekte in die Schieflage (siehe auch Seite 33). Was bleibt vom Motto „Mehr privat, weniger Staat“ im Kunstbereich? Die Kommunalkredit darf ihr Sponsoring für die Albertina ruhig aufgeben. Eigentlich hat eine Bank, die mit der Finanzierung von Umweltprojekten aus öffentlichen Geldern beschäftigt ist, in dem Kunstpalais nichts zu suchen. Genauso wenig wie die Post AG, ebenfalls Hauptsponsor der Albertina.

Wie kein anderes österreichisches Museum forcierte die Albertina die „Entstaatlichung“. Die gewaltige Expansion konnte nur durch edle Spender erreicht werden; der nach dem Sponsor benannte Sorawia-Wing ist das Symbol dieser Ära. Etwas seltener wird sich nun der Geruch der Catering-Buffets in den Prunkräumen ausbreiten. Der wissenschaftliche Auftrag der Museen wird gegenüber dem betriebswirtschaftlichen gestärkt.

Die Kulturpolitik agierte in den letzten Jahren paradox. Zwar wurde mehr Sponsoring gefordert. Wer dieser Aufforderung aber nachkam, wie die Albertina und das Museum moderner Kunst, ging bei der Erhöhung der Basisabgeltung vor einem Jahr leer aus. Die neue Regierung sollte ihre planwirtschaftlichen Ambitionen nun auf die Kulturförderung ausdehnen und ein paar Millionen direkt in die Museen stecken – statt abzuwarten, bis die Milliarden für marode Bankinstitute via Fundraising-Dinner in die Kulturtöpfe tröpfeln.


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