Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Politik | aus FALTER 46/08 vom 12.11.2008

Psychogramm der USA

„Wieder einmal, wie zu Beginn der 30er-Jahre, scheinen die Vereinigten Staaten im Begriff, eine Weltwirtschaftskrise zu exportieren“, schrieb der Übersetzer Dieter Hildebrandt an den Anfang der Übersetzung von Studs Terkels Gesprächssammlung „Der große Krach“. Das war 1972. Es wäre wieder einmal so weit. Wer sich für Amerika interessiert, der kommt an Terkel sowieso nicht vorbei. Der diese Woche 96-jährig verstorbene Großmeister der Oral History dokumentiert in diesem Band Börsenkrach und Depression. Es sprechen Spekulanten, Industrielle, kleine Leute, Schwarze, Weiße, Linke, Rechte, Junge, Alte – das Buch liest sich wie die Vorlage zu einer Obama-Rede. Die Erinnerungen junger New-Deal-Euphoriker können wahrscheinlich bald ähnlich erzählt werden; die von Armen, die sich um Suppe anstellen, hoffentlich nicht. Terkel entwirft das Panorama einer Epoche. Armin Thurnher

Studs Terkel: Der Große Krach (Hard Times). Hg. u. übers. v. Dieter Hildebrandt. Suhrkamp, 235 S. Nur antiquarisch (amazon, zvab)

Eine Siegesgeschichte

Obama steht auf den Schultern von Generationen von Kämpfern, die ihn ermöglicht hatten. Von Menschenrechtlern, die sich gegen die Genozide an den Indianern wehrten, von den armen Einwanderern, die um ihre Rechte kämpften; auf den Schultern der amerikanischen Arbeiterbewegung, derjenigen, die sich für die Befreiung der schwarzen Sklaven einsetzten; und nicht zuletzt der Bürgerrechtsbewegung, die sich gegen die Rassenschranken wandte. Die Geschichte dieses „anderen“ Amerika kann man in Howard Zinns „Geschichte des amerikanischen Volkes“ lesen, die, 1,5 Millionen Mal verkauft, heute eines der einflussreichsten Geschichtsbücher der USA überhaupt ist. rm

Howard Zinn: Die Geschichte des amerikanischen Volkes. 9 Bände. Verlag Schwarzerfreitag, jeweils ca. 115 Seiten, € 8,10


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