Nachgesehen

Der Schauplatz, am Tag nach dem Geschehen noch einmal betrachtet


Nina Horaczek
Politik | aus FALTER 46/08 vom 12.11.2008

Zwischen Zilk und Nowotny: Trauer am Wiener Zentralfriedhof

Gleich an zwei Gräbern wird am Tag nach der mit Fackeln und Kutsche inszenierten Beerdigung von Helmut Zilk gedacht. Am Ehrengrab des Altbürgermeisters bewundern Passanten die vielen Kränze, wenige Schritte weiter erinnert sich seiner eine seltsame Trauergemeinschaft. Am Grab des NS-Fliegermajors und NSDAP-Mitglieds Walter Nowotny versammelt sich Wiens Rechte zur Kranzniederlegung, darunter – zum Missfallen der Veranstalter – auch rechte Prominenz wie Gottfried Küssel. Der Wiener Stadtrat Johann Herzog (FPÖ) erinnert daran, dass Zilk „Hauptbetreiber des Denkmals für die Gefallenen in Stalingrad“ war. Als Ehrenredner tritt Oberösterreichs FPÖ-Chef Lutz Weinzinger auf. Dieser erklärt, Nowotny habe als Wehrmachtssoldat nur seine Pflicht erfüllt und sagt zum Abschluss: „Walter Nowotny! Für mich bleibst du ein Vorbild.“ Dann singt man gemeinsam das Lied vom guten Kameraden und verabschiedet sich ins Wirtshaus.


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