Mediaforschung

„Warum mutiert derStandard.at zum Computerspielgame?“

Nachfragekolumne


Barbara Tóth
Medien | aus FALTER 46/08 vom 12.11.2008

Wer zwei Tage nach der US-Wahl auf derStandard.at surfte, fand sich statt in der gewohnten blaugrauen Farbwelt des Onlineblatts in den düsteren Sphären des Xbox-Fantasie-Computerspiels „Fable 2“ wieder. Die gesamte Homepage war vom Microsoft-Game gekapert worden, neben dem „derStandard.at“-Logo prangte der zur US-Wahl ganz gut passende Slogan „Jede Entscheidung verändert dein Schicksal“.

Dass Medien ihre Fronstseite oder Homepage temporär für Werbezwecke hergeben, ist nichts ganz Neues mehr. Meistens gehört dann die ganze erste Seite dem Werbekunden, wie jüngst bei Orange. Im Onlinebereich sind die Grenzen zwischen gekauft und hausgemacht noch fließender – und deswegen umso beliebter bei Werbekunden. „Wir können solche Mutationen, wie wir das nennen, total maßschneidern“, meint Matthias Stöcher, Leiter der Onlinevermarktung bei derStandard.at. Nicht unter 30.000 Euro ist ein Tag als Universalparasit auf der Homepage zu haben. Kein Preis, der abschreckt. Im Gegenteil. Am Montag verschmolz die Seite mit dem „Wake-up Light“ von Philips, am Donnerstag gehört sie dem Modekonzern H&M und seiner Comme-deGarçons-Linie. Wenn derStandard.at demnächst in höherer Auflösung und damit optisch breiter erscheint, vervielfältigen sich die Möglichkeiten.

Für Microsofts Xbox erfand die Werbeagentur Universal McCann die Mutation. „Tough starters“ nennt man solche Events, die die Aufmerksamkeit des Publikums finden sollen. Die Verantwortlichen Oliver Ellinger und Mathias Mayer wollten am liebsten am 5. November werben, dem (nach mitteleuropäischer Zeit gerechneten) Tag nach der US-Wahl. „Weil wir uns der politischen Kompetenz von derStandard.at bewusst sind.“ Aber auch Onlinewerbung hat Grenzen. „Den Tag wollten wir nicht hergeben“, sagt Stöcher.


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