Enthusiasmuskolumne

Warum rührt mich Lloyd bloß so?

Diesmal: Die beste Pausenmusik der Welt der Woche

Feuilleton | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 46/08 vom 12.11.2008

Das Beste an dem Kabarettprogramm „Männer fürs Grobe“ ist die Pause. Nicht, dass Florian Scheuba und Robert Palfrader so unlustig wären. Aber in der Pause wird ein Song von Lloyd Cole gespielt – und das hat mich mehr bewegt als der ganze restliche Abend. Der Song heißt „The Young Idealists“, stammt vom 2006 veröffentlichten Album „Antidepressant“ und ist ein für diesen großartigen Musiker typisches Stück: ein ruhiges, melancholisches Lied, unterlegt mit bittersüßer Ironie.

Es geht, wie in so vielen Popsongs, um verlorene Ideale. Ein Mann erinnert sich zurück an die Zeit, als er noch daran glaubte, irgendwas ändern zu können. Doch dann entdeckten er und die anderen „young idealists“ den Traum von der New Economy – „and we were trading in futures we believed in“. Wenn man den Glauben an die Zukunft verloren hat, kauft man sich ihn eben: eine wunderbar sarkastische Formulierung, die für Coles Kunst charakteristisch ist.

Der 47-jährige Brite ist eines der vielen verkannten Genies des Musikbusiness. Nachdem Cole mit seiner Band The Commotions in den 80er-Jahren ein Star war, löste er die Band auf, zog nach Amerika und hat es seither nie mehr geschafft, an seine frühen Erfolge anzuschließen. Und das, obwohl seine Platten um nichts schlechter geworden sind. Der außer mir einzige Wiener Lloyd-Cole-Fan, den ich persönlich kenne, war bis zu jenem Kabarettabend im Rabenhof der Presse-Musikkritiker Samir Köck. Jetzt weiß ich, dass auch Florian Scheuba einer von uns ist.

Ich bin mir sicher, dass Scheuba den Song ausgesucht hat. Und ich finde es bemerkenswert, dass ein Kabarettist für die Pause einen Song auswählt, den erstens keiner kennt und der zweitens inhaltlich Bezug auf das Programm nimmt, in dem ein ähnliches Thema verhandelt wird – als ob das auf dem Weg zum Buffet irgendwer mitkriegen würde! Florian Scheuba glaubt offenbar noch an das Gute im Zuschauer. So etwas rührt mich. Fast so wie ein Song von Lloyd Cole.


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