Küchenschaben oder Kakerlaken?

Feuilleton | aus FALTER 46/08 vom 12.11.2008

Eine Neuübersetzung schafft größere Klarheit im poetischen Werk des galizischen Dichters Bruno Schulz

Rezension: Michael Omasta

Die engen, düsteren Straßen einer anonymen Provinzstadt sind der Schauplatz fast aller Erzählungen von Bruno Schulz. Sie prägten sein Leben und literarisches Schaffen wie sonst nur die Figur des früh verstorbenen Vaters. Schulz mythologisierte seine eigene Biografie. In der „heilen“ Kindheit, wie er sie beschrieb, schwingt immer auch etwas Bedrohliches mit: Immer und überall schleichen sich Ungeziefer, Trödel, Abfall in dieses verzerrte Spiegelbild eines privaten Universums ein.

Psychologie lehnte Schulz als „Glaube an das graue Gesetz der Ameise“ rundweg ab. Auch mit der Wirklichkeit des historischen Schtetls hat seine opake Sprachgewalt, der das Wort nicht nur Bezeichnendes, sondern immer auch und vor allem Schmuck, musikalische Verzierung ist, kaum etwas gemein.

Viel eher verleiht er dem Erzittern der galizischen Provinz unter dem Schock der Moderne

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