Nüchtern betrachtet

Wer Astern sät, soll Zahnlücken ernten

Feuilleton | aus FALTER 46/08 vom 12.11.2008

Ich habe kein Auto, trinke keinen Wein und wechsle nie den Kontinent.“ So pflege ich jenen Leuten zu antworten, die sich zur Frage bemüßigt fühlen, wie ich mir meinen flamboyanten, mit englischen TV-Serien und französischen Weichkäsen vollgefüllten Lebensstil eigentlich leisten könne. Und dabei ist das noch lange nicht alles. Keusche Bordellbesuche (Seidlsaufen mit Luxusnutten), kostspielige Hobbys (helicopter kite flying) und eine ungesunde Passion für Schnittblumen kommen nämlich noch hinzu. Und wer jetzt vermeint, pfiffig anmerken zu müssen, dass Letztere Mitte November ja wohl kaum ein tennisplatzgroßes Loch ins Budget reißen würde, hat aber auch schon gar nix begriffen: „Floralprolo!“, kann ich da nur verächtlich zwischen meinen frisch entplaqueten Zähnen (€ 98,–) hervorzischen.

Die Frage, was der stilvolle Mann in mittleren Jahren und mit mittlerem Einkommen neben sein rotes Ledersofa oder auf sein dänisches Sixties-Rollteetischchen stellt, ist nur allzu berechtigt.


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