Stadtrand

Von Amtsschimmeln und Praterratten

Urbanismuskolumne

Joseph Gepp | Stadtleben | aus FALTER 46/08 vom 12.11.2008

In einem kleinen Park beim Praterstern turnen jede Nacht Ratten in den Büschen. Sie schlagen Saltos über schockstarre Spaziergängerfüße und performen rudelweise, es gibt ja viele von ihnen, zusammen sind sie stark. Aber kein Problem, Wien ist ja sicher, sauber und überhaupt toll, natürlich wird die Stadtverwaltung einen Ausweg wissen: Die zentrale Rathausvermittlung verweist zum Bezirk, dieser zum Gartenmagistratsamt 42. Aber unter der angegebenen Telefonnummer meldet sich niemand. Also wird die MA-42-Nummer auf der Gemeinde-Homepage selbst recherchiert – die Durchwahl führt allerdings zum Wienstrom. Nächster Versuch: wieder Zentrale, wieder MA 42. Nach 15 Minuten beginnt der Telefon-Donauwalzer zu nerven. Dann meldet sich das städtische Gartenamt: Es gebe eben Ratten, sagt die Frau, die kriege man nicht los. Auf den Einwand, es seien viele, sagt sie, man werde die Rattenjäger darauf hinweisen. Nächstes Mal. Bleibt der Appell ans Mitgefühl: Man wohne gleich nebenan, das sei wirklich nicht angenehm. Aber da hat die Dame schon aufgelegt.

Sicher, sauber, super? Joseph Gepp testet das Mitgefühl der Stadtverwaltung


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