Ein Bastard namens Einkaufszentrum

Stadtleben | aus FALTER 46/08 vom 12.11.2008

Das Leben des Victor Gruen. Wie ein Wiener unfreiwillig zum Geburtshelfer der Shoppingmall wurde

Bericht: Joseph Gepp

Wien, das sind baumbestandene Boulevards und Kaffeehäuser, das ist Flanieren und Promenieren, das sind stundenlange Gespräche bei billigem Kaffee. Die ideale Verschränkung von Kultur und Kommerz. So dachte Victor Grünbaum. Der Wiener Jude liebte die Stadt, in der er geboren und aufgewachsen war. Bald jedoch kam das Jahr 1938, und er musste fliehen.

Grünbaum, amerikanisiert Victor Gruen, sollte noch Geschichte schreiben, aber nicht freiwillig. Er nahm sein Bild von Wien ins US-amerikanische Exil mit. Dort wurde er Architekt und Stadtplaner.

Gruen wollte seine Vorstellung von der perfekten Stadt den gesichtslosen US-Metropolen aufdrücken. Diese Städte hatten sich oft zufällig entwickelt, sie verfügten über keine natürlichen Mittelpunkte, und ihre Einwohnerzahlen explodierten geradezu. Gruen wollte gegensteuern, mit der Schaffung von künstlichen Zentren, für Gespräche


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