Kritiken

Fuchs in der Walfischgasse: weder genial noch böse

Lexikon | aus FALTER 47/08 vom 19.11.2008

Das Bombenhirn Franz Fuchs erscheint in seiner Verkörperung durch Thomas Kamper nie gefährlich böse, nie mitleiderregend einsam, nie genial verrückt, obwohl Felix Mitterers Text „Der Patriot“ all das hergeben würde. Regisseur Werner Schneyder lässt die Bühnenfigur, die in schwarzer Kleidung und schwarzer Zelle an einen eingesperrten Kabarettisten erinnert, mit Scheinwerfern, die seine Verhörgesprächspartner darstellen, foltern. Geplagt von Selbsthass und der Selbstüberschätzung des Strebers will sich Fuchs Gehör verschaffen, berauscht sich an seinem anarchistischen Tun und erschauert gleichzeitig vor den Konsequenzen. Entlarvend ist dieses Stück vor allem, wenn es um ein politisches System geht, das sich den für die Gesellschaft bequemeren Einzeltäter fast selbst erschaffen hat. Am Ende lautet die Botschaft auch, dass viele Patrioten gerade dabei sind, ein Österreich im Sinne des Franz Fuchs zu vollenden. BH

Nächste Vorstellungen: Stadttheater Walfischgasse, Fr, Sa 20.00 (bis 17.12.)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige