Kritik

Geburt eines Kabarettisten: „Show“ mit Rudi Schöller

Kabarett

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 47/08 vom 19.11.2008

Das zweite Soloprogramm von Rudi Schöller beginnt damit, dass der Kabarettist eine Viertelstunde lang Witze über Politiker macht. Das kommt ähnlich unerwartet wie ein verjazztes Bachkonzert unter Nikolaus Harnoncourt oder ein Experimentalfilm von Harald Sicheritz. Bisher galt Schöller als Paradebeispiel des Antikabarettisten. Sowohl als Teil des in den 90er-Jahren legendären Duos Schöller & Bacher als auch in seinem im Vorjahr herausgekommenen Solodebüt „Play“ hat er mit stoischer Miene so ziemlich alles vermieden, was Kabarettisten normalerweise so machen. Und jetzt das: Politikerwitze! Wobei sich das, was Schöller zu den Spitzenkandidaten der letzten Wahl anmerkt, natürlich schon relativ stark von dem unterscheidet, was Kabarettisten sonst so einfällt.

War „Play“ noch ein Liederabend mit Rahmenhandlung, so ist es jetzt umgekehrt: „Show“ ist ein Nummernprogramm mit eingestreuten Coversongs (aus „Knock, knock, knockin’ on Heaven’s Door“ etwa wird „Gnoc-Gnoc-Gnocchi – aber nur a paar“, ein Protestlied gegen zu große Portionen in Mutters Küche). Auf der Bühne steht einer dieser Kabarettistentische, und auch die Themen, die Schöller behandelt, gehören zum Standardrepertoire des Kabaretts: Stadt und Land, Beziehungen, Internet. Aber Schöller ist originell, intelligent und eigensinnig genug, um diesen Inhalten interessante Facetten abzugewinnen. Und er hat die Gabe, mit wenigen Sätzen Stimmungen zu entwerfen.

Dass Rudi Schöller (der diesmal hin und wieder sogar lächelt!) seinen radikalen Reduktionismus aufgegeben hat, mag man bedauern. Man kann sich aber auch darüber freuen, dass es jetzt einen tollen neuen Kabarettisten in der Stadt gibt.

Kabarett Niedermair, Fr und Sa 19.30


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