Oper

The Rake’s Progress im Theater an der Wien

Kritik

Lexikon | Andreas Dallinger | aus FALTER 47/08 vom 19.11.2008

Ein Leben vor der Glotze: Alastair Miles und Toby Spence

Ist das Leben leer und weiß der Kopf nicht, wofür er da ist, sollte wenigstens eine Fernbedienung zur Hand sein. Fernsehkanäle sonder Zahl liefern Lebensentwürfe, an denen man sich orientieren soll. Alles ist möglich: Werde reich und tausche Gemeindewohnung gegen Villa. Oder: Entdecke dich neu im Swingerclub. Sind Sex, Villa, Schampus, Koks nicht genug, werde ein Jesus und rette die Welt. Gescheitert? Bankrott? Bleibt immerhin noch die Psychose.

Bedrückend konsequent führt Martin KuÇsej in seiner Neuinszenierung von Igor Strawinskis „The Rake’s Progress“ (1951) vor, wie ein Leben entlang der Fernsehrealitäten vertrocknet. Die Hauptfigur Tom Rakewell ist ein tumber Hohlkörper, ahnungslos, was er mit seinem Leben anfangen soll. Der allgegenwärtige Fernsehapparat ist ihm Inspiration, Spiegel, einziger Weltbezug.

Die Gaukelei vom mühelosen Glück wird ihm zum Evangelium. Gierig zappt sich Tom durch die verheißungsvolle


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