Kritik

Arcimboldo goes Porn

Kunst

Lexikon | aus FALTER 47/08 vom 19.11.2008

Tumorerkrankungen der Gebärmutter“ lautet der Titel einer Serie von alten anatomischen Zeichnungen, die Wangechi Mutu als Grundlage für ihre Collagen verwendet. Auf die krebsbefallenen weiblichen Organe klebt die aus Kenia stammende Künstlerin Gesichter, die wiederum aus Körperfragmenten bestehen. Das sieht weniger grausig aus, als es sich anhört; die Ergebnisse wirken eher banal. Arcimboldo und später die Surrealisten hatten ihre Freude an Kompositköpfen. Unter den Zeitgenossen hat Candice Breitz Schnipsel aus Pornos zu unheimlichen Rassehybriden zusammengesetzt. In diese Kerbe schlagen auch Mutus Bearbeitungen von Postkarten, die verschiedene Ethnien zeigen: Sie werden mit nackten Körperteilen überformt, was wohl den sexualisierten Kolonialblick bloßstellen soll.

Die Schau zeigt auch drei der Collagen, für die die Künstlerin internationale Anerkennung erntete. Darin verwendet sie menschliche Physiognomie ebenso wie Motorradteile und Farbpigmente, die sie auf das folienartige Papier Mylar aufbringt. Kritik am Exotismus durch Exotisierung: Bei Mutu geht diese Rechnung nicht auf. NS

Kunsthalle project space, bis 7.12.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige