Meinesgleichen

Aus der weiten Welt der Meinung

Falter & Meinung | aus FALTER 47/08 vom 19.11.2008

Der New Deal folgte in den USA auf die Wirtschaftskrise in der Folge des Börsenkrachs von 1929. Der vor wenigen Tagen verstorbene Journalist Studs Terkel interviewte Beteiligte: Spekulanten, Verarmte. Linke, Politiker. Er sprach auch mit dem Wirtschaftswissenschaftler Joe Marcus, der in Roosevelts New-Deal-Team dabei war.

„1935 beendete ich mein Studium. Ich ging nach Washington und fing im Frühjahr 1936 mit der Arbeit an. Der New Deal war die Welt der jungen Männer. Wenn sie irgendwelche Fähigkeiten zeigten, bekamen die jungen Leute eine Chance. Ich war erst zweiundzwanzig. Nach ein paar Monaten wurde ich zum Abteilungsleiter befördert. Wir hatten eine Versammlung mit den großen Tieren. Was ist zu tun?

Ich wies auf einige Probleme hin: Wir wollen unsere Ziele definieren. Sie ließen mich sofort die Initiative ergreifen. Ich musste die Organisation aufbauen und fünfundsiebzig Leute einstellen. Wenn man neue Antworten haben wollte, brauchte man neue Leute. Das war das Aufregende. Jedermann suchte nach Ideen. Es gab viele Opportunisten, einige verrückte. Aber es war eine Suche im Gang, ein Sinn für Werte vorhanden, der im Leben der Menschen bedeutsam wurde.

Wir dachten nicht daran, die Gesellschaft neu zu formen. Ich glaubte nicht an diese Träumereien. Was sich abspielte, war ein vollständiger Wandel in der sozialen Einstellung eben der entscheidenden Regierungsleute. Die Frage hieß: Wie kann man es innerhalb des Systems schaffen?“

Quelle:

Studs Terkel:

Der Große Krach. Die Geschichte der amerikanischen Depression. Ausgewählt, übersetzt und eingeleitet von Dieter Hildebrandt,

Suhrkamp 1972


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