Kommentar

Von der Nachhilfeveranstaltung zum Forschungslabor

Wien Modern

Falter & Meinung | Carsten Fastner | aus FALTER 47/08 vom 19.11.2008

Die Gründung des Festivals Wien Modern vor 20 Jahren war, so wird uns Jüngeren glaubhaft versichert, nur gegen heftige Widerstände durchzusetzen und gelang erst nach energischen Interventionen des prominenten Dirigenten Claudio Abbado. Das ist graue Vorzeit. Längst hat die traditionsbewusste Musikstadt Wien den Anschluss an die Gegenwart geschafft. Woran wiederum das Festival entscheidenden Anteil hatte.

Wien Modern spiegelt geradezu den Stellenwert der zeitgenössischen Musik in Wien wider: Aus der Nachhilfeveranstaltung der Anfangsjahre ist mittlerweile ein Forschungslabor für die unterschiedlichsten Spielarten avancierter gegenwärtiger Musik geworden (siehe Seite 34).

Das interessiert Jahr für Jahr an die 20.000 Besucher. Und es kostet viel Geld. Die Produktionsbedingungen Neuer Musik sind nun einmal ungleich aufwendiger als jene der Klassik mit ihren weitgehend standardisierten Konzertformaten.

Der Musikverein konnte mit seinem Klassikprogramm so viel Gewinn erwirtschaften, dass das Kontrollamt nun sogar die Subventionierung infrage stellt. Davon ist Wien Modern denkbar weit entfernt.

Seit zwölf Jahren sind die Förderungen der Stadt auf den Cent genau gleich geblieben. Da kann man noch nicht einmal von erfreulicher Kontinuität sprechen: Die seit 1996 überwiesenen 654.000 Euro sind, inflationsbereinigt, heute nur noch 430.000 Euro wert.

Das Festival hat bereits reagiert: Ausgerechnet im Jubiläumsjahr wurde das Programm von vier auf drei Wochen gekürzt. Nach 20 Jahren ist es also wieder so weit: Wien muss sein Bekenntnis zur Musik der Gegenwart erneuern.


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