Am Apparat

Herr König, warum fehlt Ihnen die Gurkenkrümmungsnorm?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 47/08 vom 19.11.2008

Gerald König ist Vorstand der Landwirtschaftlichen Gemüse Verwertung (LGV). Die 90 Beschäftigten des Genossenschaftsbetriebs, der die größte Gurkensortieranlage Europas betreibt, konditionieren Gurken und überprüfen die Qualität. Die LGV vertreibt jährlich 33 Millionen Gurken.

2009 schafft die EU die Norm für krumme Gurken ab. Was sagen Sie dazu?

Es war klug, eine europaweite Norm zu haben. Jetzt wird jedes Land eigene Normen schaffen. Oder aber der Handel schafft sie.

Was bedeutet das in der Praxis?

Jede Handelskette wird eine eigene Spezifikation von geraden Gurken haben. Rewe Österreich wird gerade Gurken zwischen 370 und 420 Gramm verkaufen. Spar Österreich wiederum gerade Gurken zwischen 380 und 490 Gramm. Das wird sich im Ausland weiterspinnen. Dadurch wird der Handel sehr kompliziert.

Welche Änderungen ergeben sich für Ihren Betrieb?

Wir müssen von jetzt an maßgeschneidert für jeden Kunden abpacken. Große Unternehmen wie wir sind aber im Vorteil. Für kleine Gurkengärtner wird es jetzt schwerer.

Im internationalen Handel sind Normen üblich, in Österreich gab es seit 1967 ein Qualitätsklassengesetz. Warum hat man sich wegen der Gurkenkrümmung über Brüssels Bürokratie aufgeregt?

In Österreich sieht man die Vorteile der EU nicht gerne. Die Gurkenkrümmungsnorm war gut. Wir werden ihr nachtrauern.

Was wird sich für den Kunden ändern?

Es ist möglich, dass Gurken teurer werden, weil die Industrie jetzt einen Mehraufwand hat. Der Konsument kauft krumme Gurken schon heute nicht. Die sind oft von minderwertiger Qualität, weil sie vom Seitentrieb kommen. Dort hat die Pflanze keine Kraft mehr, die Frucht zu nähren. Dadurch wird sie krumm. Der Konsument wird also auch in Zukunft zur geraden Gurke greifen.

Interview: Stefan Apfl


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