Die Macht und die Lust

Politik | aus FALTER 47/08 vom 19.11.2008

Warum sich unsere Politiker als Hedonisten inszenieren

Essay: Isolde Charim

Die Grünen werden heute als hedonistische Bobopartei bezeichnet. Dies ist eine treffende Beschreibung, wenn auch keine freundliche. Hedonismus ist hier als Vorwurf gemeint. Jörg Haider hingegen führte uns vor, wie Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll heute aussehen. Damit ist nicht sein VW Phaeton nach dem Unfall gemeint, sondern sein Lebensstil bis dorthin. Hedonismus als Lebens- (und Sterbeform) eines extrem rechten Politikers und Hedonismus einer gefühlt linken Partei – zwei widersprüchliche Szenen. Sie zeigen eine Verschiebung, die so neu nicht ist.

Im Gefolge von 68 hat eine Poplinke die Lust als Lebensprinzip stark gemacht – gegen die langweiligen Spießer, also die Eltern, aber auch gegen die Kollegen von der dogmatischen, puritanischen Linken. Der Poplinken war Hedonismus ein Glücks- und Freiheitsversprechen, das sich unmittelbar im Hier und Jetzt vollziehen ließ. Genießen war sowohl Medium als auch Einsatz


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