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Politik | aus FALTER 47/08 vom 19.11.2008

Being Alois Mock

Wenn ein ehemaliger enger Mitarbeiter und der Haus-und-Hof-Historiker der ÖVP eine Biografie über den Exparteiobmann der Konservativen vorlegen, kann man sich nicht allzu kritische Distanz erwarten. Eichtinger und Wohnout haben dennoch keine reine Hagiografie geschrieben. Streckenweise vermag ihre Beschreibung des politischen Lebens des ehemaligen Außenministers sogar zu fesseln, etwa wenn sie Mocks Versagen in der legendären Fernsehkonfrontation mit dem neuen SPÖ-Chef Franz Vranitzky im Jahr 1986 minutiös nachvollziehen (er war falsch geschminkt und hatte versehentlich die Brille eines Mitarbeiters ins Studio mitgenommen). Oder wenn sie seinen auf die Wahlniederlage folgenden „parteiinternen Abwehrkampf“ nachzeichnen, der ihn bis 1989 permanent lähmte.

In der Beurteilung seiner Balkan-Politik oder der Waldheim-Affären-Zeit sind sie weniger kritisch. Nur kursorisch gestreift wird die Tatsache, dass Mock antisemitische Ausfälle in seinen Reihen sehr wohl tolerierte und die harte Präsidentschaftswahlkampagne der ÖVP („Wir wählen, wen wir wollen“) unbeirrt weiterfuhr.

Sehr genau arbeiten die Autoren jedenfalls heraus, wie stark die widerstrebenden Bünde- und Länderinteressen Mocks Leben an der Parteispitze erschwerte. Beispielsweise kam er mit seiner an Reagonomics und am Thatcherismus angelehnten, neokonservativen Wirtschaftspolitik bei der Verstaatlichtenkrise nicht durch, weil seine Landeshauptleute lieber weiter Geld in die maroden Unternehmen in ihrem Bundesland pumpen wollten. Ein Kapitel, dass sich sein Nachfolger Josef Pröll jedenfalls durchlesen sollte. Barbara Tóth

Martin Eichtinger, Helmut Wohnout: Alois Mock. Ein Politiker schreibt Geschichte. Styria, 319 S., € 24,95


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