Mediaforschung

„Will der Mobilfunker 3 seine Kunden beleidigen, Herr Alm?“

Nachfragekolumne

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 47/08 vom 19.11.2008

Am Montag startete das Mobilfunkunternehmen 3 eine neue Kampagne. Im Fernsehen und auf Plakaten sind Jugendliche zu sehen, die auf Englisch „I suck“ sagen. Wortwörtlich heißt das: „Ich sauge.“ Doch die Formulierung ist missverständlich. Denn etwas freier könnte sie auch mit „ich bin Scheiße“ oder „ich stinke“ übersetzt werden. Wenn Amis sagen, „this sucks“, dann finden sie eine Sache ziemlich grottig. Seltsam, dass nun 3 ausgerechnet mit diesem Slogan wirbt. Will das Unternehmen seine Kunden beleidigen?

Mit Sicherheit nicht, meint Niko Alm. „Die Testimonials sind natürlich keine ‚Sucker‘. ‚I suck‘ weist darauf hin, dass sie Musik runterladen“, sagt der Geschäftsführer der Agentur Super-Fi. Die eben gestartete Kampagne bewirbt das neue Musikdownloadangebot von 3. Für 2,99 Euro pro Woche können Kunden unbegrenzt Musik auf ihr Handy saugen. Drei Millionen Songs stehen zur Auswahl.

2,99 Euro für unbegrenztes Runterladen – dieses Angebot von 3 zeigt, wie sehr sich der Musikmarkt verändert. Bisher boten Mobilfunker und Onlineshops nur einzelne Songs oder Alben zum Kauf an. Nun wird der Konsument hingegen zum Mieter: Er zahlt eine Gebühr von 2,99 Euro und kann drei Millionen Songs anhören. Doch wenn er aufhört, wöchentlich diese Gebühr einzuzahlen, verliert er sämtliche der heruntergeladenen Lieder. Das wird mittels technischer Barrieren sichergestellt.

Der neue Slogan löst nun gemischte Gefühle aus. „Uns wurde unterstellt, dass wir nicht gut Englisch können“, erzählt Niko Alm. Der Werber empfindet „I suck“ aber weder als Beleidigung noch als Provokation. Es sei eben ein Hingucker. Und das würden die 20-Jährigen, auf die die Werbung abzielt, schon verkraften. „So viel Selbstironie hat jeder, der dieser Altersgruppe angehört“, sagt Alm.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige