Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Das beste Taschenbuch der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 47/08 vom 19.11.2008

Endlich Schluss mit Eselsohren!

Atlanten, Kochbücher, Lexika und Bildbände liest man am besten zuhause. Alle anderen Bücher sollten eigentlich Tascheneignung aufweisen, also zumindest in eine mittelformatige und -robuste Umhängetasche oder – noch besser – gleich in die Mantel-, Jacken-, Sakko- oder gar Hosentasche passen.

Zu den Taschenbüchern im engeren Sinne zählen nur jene, die man am Körper tragen kann. Der Inbegriff des Unprätentiösen ist hier das klassische gelbe Reclamheft, das freilich bei intensiverer Nutzung schnell aussieht wie der sprichwörtlichen Kuh aus dem Arsch gezogen und darüber hinaus von der muffigen Aura schulischer Pflichtlektüre umflort ist.

Brüchige Buchrücken, schmuddelige Cover und vor allem unschöne Eselsohren gehören zu den Gebrechen, gegenüber denen sich Taschenbücher am anfälligsten zeigen. Das muss aber gar nicht so sein, wie nun die Jubiläumsausgabe von „Frühstück bei Tiffany“ beweist, die der Zürcher Verlag Kein & Aber zum 50. Geburtstag von Truman Capotes berühmtem Roman herausgebracht hat.

In der Aufmachung erinnert der schicke Band an die legendären Moleskine-Notizbücher, obwohl er mit seinen 9 x 14,4 Zentimeter etwas größer ist. Der feste, mit einem seidig glänzenden schwarzen Baumwollumstoff bezogene Umschlag ist verdammt abrammelresistent. Ein hochwertiges holzfreies Papier, bedruckt mit blitzsauberer Fairfield Light und ein Lesebändchen gehören bei Kein & Aber sowieso zur Grundausstattung.

Der Clou aber sind die abgerundeten Ecken, die man selbst durch forciert sorglose Behandlung nicht zu Eselsohren verunstalten kann. Extrem schlau ausgedacht! In der Herstellung allerdings auch um rund 30 Prozent teurer als ein herkömmliches Buch. Bei wohlfeilen € 14,40 verkürzt das die Gewinnspanne erheblich, aber es ist ja für einen guten Zweck: zur höheren Freude des Lesers und der Leserin. Diese zeigen sich auch dankbar: Das Buch ist bereits in der dritten Auflage und hält bei 30.000 Exemplaren.


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