Ein Festival fürs Hirn mit Ohren

Feuilleton | aus FALTER 47/08 vom 19.11.2008

Wien Modern hat sich zu seinem zwanzigjährigen Jubiläum neu definiert

Resümee: Carsten Fastner

Ouaaaaaouaaaaaouaaaaaouaaaouaaaaaouaaaaaouaaaaaaaa“: Minutenlang tönt eine sympathisch sonore Männerstimme mit diesem seltsam monotonen Gesang aus dem Lautsprecher – ehe unvermittelt schrille Hysterie ausbricht, aus den sanften dunklen Vokalen mit einem Mal grelle helle werden, begleitet von unrhythmischem Trommelfeuer scharfer Konsonanten. Schon schmerzen die Ohren, dann kehrt, ebenso plötzlich, wieder Ruhe ein im Neuen Saal des Wiener Konzerthauses.

Zu hören war die Sonifikation, die Verklanglichung eines epileptischen Anfalls. Die Neurowissenschaftler Gerold Baier und Thomas Herrmann präsentierten bei Wien Modern ihr neues Verfahren, mit dem sie die Ergebnisse von Hirnstrommessungen nicht in Skalen, Graphen und Kurven übersetzen, sondern in genau definierte akustische Signale, in diesem Falle in menschliche Vokale.

Im Beispiel des per EEG aufgezeichneten Krampfanfalls wirkte das, als


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