Nüchtern betrachtet

Der Tag wird kommen, wir wissen nicht, wann

Feuilleton | aus FALTER 47/08 vom 19.11.2008

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Gewohnheiten gelten gemeinhin als spießig, ich find sie gut. Jeder Mensch sollte Gewohnheiten haben. Es ist gut, wenn man auf Routine und Rituale zurückgreifen kann, der Übergang vom Schlaf- zum Wachzustand ist kompliziert genug. Milch einkaufen, die Tauben vom Dach jagen, Pyjama ausziehen, das Radio aufdrehen, die Urologin anrufen, Teewasser aufsetzen, die Zähne putzen – irgendwas in der Art. Von mir aus auch: Zähne einkaufen, die Milch vom Dach jagen, die Urologin ausziehen, den Pyjama aufdrehen, das Teewasser anrufen, die Tauben aufsetzen, das Radio putzen …

Natürlich hilft das alles nichts: Eines Tages stürzen die Radios vom Dach, die Zähne kochen und die Urologin ist sauer geworden. „Hättest du dich nicht darauf verlassen, dass die Welt deinen Gewohnheiten folgt“, sagt jetzt der Philosoph, aber der soll jetzt lieber vor der eigenen Tür kehren, bei dem geht es doch tagaus,


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