Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 47/08 vom 19.11.2008

Eiskalte Erdnüsschen

Das Alte und das Neue – in der Steiermark wurde das ja nie so revolutionär gedacht wie bei, sagen wir, Sergei Eisenstein. Im Gegenteil. Gerade im behutsamen, ja sturen Bewahren des kulturellen Besitzstandes bei gleichzeitigem, ja, zögerlichen Fördern des Neuen lag bislang einer der Erfolgsfaktoren der hiesigen Kulturlandschaft. Unesco-Dächer, Kunsthaus-Blase, freie Szene – insbesondere in Graz war dieses Dreigestirn dafür verantwortlich, dass die Stadt unlängst vom National Geographic Traveler zur fünftsupersten „historic destination“ gekürt wurde. Der Welt!

Mit der letztwöchigen Neuverteilung der Fördergelder für die Grazer Kulturszene hat Stadtrat Wolfgang Riedler (SPÖ) auch gezeigt, wie sich diese Balance selbst bei knappen Budgets neu austarieren lässt. Beständige Innovatoren wie das Theater im Bahnhof wurden aufgewertet, in die Jahre Gekommene zurechtgestutzt. Klar, das kann man auch radikaler angehen, der publikumsresistente theatermërz ist immer noch die zweitbestdotierte Bühne der Stadt. Und insgesamt gibt’s nach wie vor zu wenig Geld.

Der Angriff auf das steirische Gleichgewicht wurde letzte Woche von anderer, ganz unerwarteter Seite geführt. Agrar- und Wohnbaulandesrat Johann Seitinger (ÖVP) hat wegen angeblicher Budgetnöte ausgerechnet eine Einrichtung gestrichen, die an der Wurzel des steirischen Erneuerungserfolges liegt: die Revitalisierungsförderungen des Landes. 1,65 Millionen Cash und 3,2 Millionen Darlehen – also Erdnüsschen – für die Erneuerung historischer Bauernhöfe, Kapellen und Barockpalais soll es künftig nicht mehr geben. Plant der Agrarier die Revolution? Keine Spur: nur eiskaltes Sparen.

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter


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