Kritik

In der Josefstadt: Ein Sohn kam in die Küche

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 48/08 vom 26.11.2008

Der deutsche Dramatiker Roland Schimmelpfennig schreibt auf Augenhöhe mit der Theatergeschichte. "Die Frau von früher" etwa war eine neue Medea, und "Besuch bei dem Vater" (erster Teil einer Trilogie, deren letzter Teil vor zwei Jahren im Akademietheater uraufgeführt wurde) erinnert an Ibsen und Tschechow: Das Familiendrama spielt auf einem Landhaus, in dem jeden Augenblick Onkel Wanja vorbeischauen könnte, und gleich zu Beginn wird eine Wildente geschossen. Der 21-jährige Peter (Florian Teichtmeister) besucht seinen Vater (Joachim Bißmeier), der bis vor kurzem nichts von der Existenz seines Sohnes wusste. Außer Papa befinden sich ausschließlich Frauen im Haus; immerhin drei davon wird der junge Mann, dessen Draufgängertum an Vergewaltigung grenzt, am Ende des Tages verführt haben. Sonst passiert nicht viel. Regisseurin Stephanie Mohr versucht dem dünnen Plot eine surreale Note zu verpassen; die Schauspieler sind auch dann um Pointen bemüht, wenn da gar keine Pointen sind. Dann lieber gleich Tschechow.

Theater in der Josefstadt, Fr 19.30


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